Und dann kommt Paul

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Ein gut gelaunter Pinguin watschelt, gefolgt von jeder Menge Kameras und Mikrofonen, durch das Meraner Villenviertel Obermais. TAKE wirft einen Blick hinter die Kulissen des Südtirol-Drehs für den Familienfilm Die Chaosschwestern feat. Pinguin Paul.

Die 1909 im Heimatstil erbaute Villa Freischütz mit dem dazugehörigen Park, gehört wohl zu den schönsten und geschichtsträchtigsten Häusern in der Südtiroler Kurstadt Meran. Normalerweise liegt das 2019 eröffnete Hausmuseum um diese Jahreszeit im Winterschlaf. Doch an diesem herbstlich kühlen Novembertag wimmelt es dort nur so von Menschen. Grund dafür sind die Dreharbeiten zum deutschen Familienfilm Die Chaosschwestern feat. Pinguin Paul, produziert vom Münchner Produktionshaus blue eyes Fiction in Koproduktion mit der Südtiroler Produktionsfirma Filmvergnügen aus Wiesen/Pfitsch.

Die Stimmung am Set ist geschäftig und gelassen zugleich. Kleine Gruppen von Menschen stehen im Freien beisammen und unterhalten sich im Flüsterton, dazwischen bauen Crewmitglieder schwere Scheinwerfer auf und wieder ab. Aus den Garderobenwagen dringt leises Lachen, ein junges Mädchen öffnet kurz die Tür, schaut prüfend heraus und schließt sie dann wieder. Von irgendwo erklingt ein schnelles „Ruhe bitte! Läuft!“.

Im Inneren der Villa ist der Dreh bereits in vollem Gange. Corinna Mehner, Produzentin und Geschäftsführerin von blue eyes Fiction, beobachtet über den kleinen Monitor, wie die Südtiroler Schauspielerin Barbara Romaner im angrenzenden Zimmer eine Szene als Iris Martini, Mutter der vier Chaosschwestern, spielt. Ein ums andere Mal fällt die Filmklappe und die Szene wird wiederholt bis Regisseur Mike Marzuk endlich „Danke!“ ruft. Die charismatische Boznerin lebt und arbeitet seit vielen Jahren mit großem Erfolg im deutschsprachigen Ausland und freut sich sehr darüber, endlich mal wieder in Südtirol drehen zu dürfen: „Auch wenn ich in dieser Produktion nur eine kleine Nebenrolle spiele, habe ich meine Filmtöchter bereits sehr ins Herz geschlossen. Ich bin begeistert von ihrem Talent und ihrer Professionalität.“

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14 Tage lang dreht das Filmteam in Südtirol. Weitere Drehorte neben Meran sind Brixen, Eppan, Tschars/Kastelbell sowie der Flughafen von Bozen. Die Familienkomödie, die 2023 in die Kinos kommt, ist die erste Kinoadaption der beliebten gleichnamigen Kinderbuchreihe von Dagmar H. Mueller. Mit insgesamt zehn Bänden und einer verkauften Auflage von über 270.000 Exemplaren gehören Die Chaosschwestern zu den Bestsellern auf dem deutschen Kinderbuchmarkt. „Ich muss gestehen, dass ich die Bücher vorher nicht kannte, obwohl ich selbst Kinder habe“, erzählt Marzuk, der zusammen mit Korbinian Wandinger auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, in einer der Drehpausen lachend. Mittlerweile fühle er sich jedoch fast wie ein zweiter Vater der Chaosschwestern.

Doch worum geht es in der Geschichte genau? Die Schwestern Livi, Tessa, Malea und Kenny Martini – gespielt von Lilit Serger, Momo Beier, Ronja Regjepi und Cara Vondey – können sich eigentlich so gar nicht leiden. Das ändert sich, als Pinguin Paul in ihr Leben tritt. Dieser wurde nämlich vom bösen Magic Duo (Janine Kunze und Max Giermann) aus einem Zoo entführt. Paul soll mit den beiden Bösewichten nach Las Vegas reisen, um dort in ihrer Show aufzutreten. Um dies zu verhindern, schmieden die vier Schwestern zusammen mit dem Nachbarsjungen Deniz einen Plan: Koste es, was es wolle, sie werden Paul wieder zu seiner Pinguinfamilie in den Zoo zurückbringen. Den Erwachsenen-Cast komplettieren unter anderem Denis Moschitto, Felix Klare sowie die Südtiroler Darsteller Anton Algrang und Max G. Fischnaller als Polizisten sowie Ricardo Angelini als Fotograf.

„Für mich handelt der Film von Zusammenhalt und Gemeinschaft, darüber hinaus behandelt der Film aber noch ein weiteres wichtiges Thema, nämlich den respektvollen Umgang mit Tieren“ so Marzuk. Und Produzentin Corinna Mehner ergänzt: „Vielen Kindern geht es seit der Corona-Pandemie psychisch nicht gut. Wir möchten ihnen mit diesem Film wieder ein Lachen auf ihre Lippen zaubern.“

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Und dann betritt Pinguin Paul zusammen mit Filmtiertrainerin Katja Elsässer den Park der Villa Freischütz und verwandelt sich innerhalb kürzester Zeit in den absoluten Mittelpunkt am Set. Während sich der Humboldt-Pinguin, der im richtigen Leben eigentlich Chester heißt, der gründlichen Pflege seiner Federn widmet, wird er vom Rest der Filmcrew freudig begrüßt und bestaunt, gestreichelt und gelobt. Chester alias Paul nimmt es gelassen, er scheint den ganzen Rummel um sich bereits zu kennen. „Eigentlich ist Chester eine richtige Rampensau“, erklärt Katja Elsässer, Besitzerin der Filmtierschule und Tieragentur Filmtierhof in Bleckede, Lüneburg, und Betreuerin von Chester während der Dreharbeiten. „Er hält sich am liebsten in der Nähe der Produktion auf und beobachtet das Geschehen am Set mit Argusaugen.“ Um dem Pinguin seinen Aufenthalt so artgerecht wie möglich zu machen, steht Chester immer und überall ein eigener Pool bereit, in den er bei Bedarf abtauchen kann. Sein tägliches Bad ist für sein Wohlbefinden genauso wichtig, wie das richtige Futter. Und auch um die nötige Ruhe für den Pinguin kümmern sich Katja Elsässer und ihr Team: „Chesters Entwicklungsstand ist vergleichbar mit jenem eines dreijährigen Kindes. Er ist sehr aktiv und freut sich jeden Morgen auf den Dreh. Genauso wie ein kleines Kind braucht er aber auch seine nötige Portion Ruhe, sonst kippt seine Stimmung und das Arbeiten mit ihm wird schwer.“

Heute steht für Chester unter anderem noch ein kurzes Fotoshooting mit seinen Schauspielkolleginnen und dem Regisseur auf dem Plan. Freudig watschelt er zu der Gruppe, die bereits an der Außentreppe auf ihn wartet. Alle lachen, auch Peter Trenkwalder. Der Pfitscher Unternehmer ist zusammen mit seiner Ehefrau Monika Reinthaler der Kopf des 2017 gegründeten Südtiroler Produktionshauses Filmvergnügen und als italienischer Koproduzent am Film beteiligt: „Dies ist bereits der dritte Kinderfilm, den wir mit unserer Produktionsfirma drehen. Dabei habe ich eine Menge interessanter Persönlichkeiten kennengelernt. Ein Pinguin war jedoch noch nie dabei.“ Trenkwalder und seine Frau haben vor kurzem beschlossen, nur noch Kinderfilme zu produzieren. „Ich liebe Kinderfilme, auch weil sie meistens frei von Dramen sind. Und Dramen haben wir im richtigen Leben mehr als genug.“

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Text Verena Spechtenhauser
Foto (c) Blue Eyes Fiction
Veröffentlicht am 15.12.2022

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